Fluchterlebnisse therapeutisch aufarbeiten: Kinderschutzambulanz entwickelt Konzept zur Betreuung von minderjährigen Flüchtlingen in Hagen

 

Hagen. 147 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben zurzeit in Hagen, weit über 400 Flüchtlingskinder mit ihren Familien: die meisten von ihnen haben einen zum Teil sehr belastenden Weg hinter sich. Da eine Integration ohne (psycho-) therapeutische Hilfe oft gar nicht möglich ist, hat die Kinderschutzambulanz der Ev. Jugendhilfe Iserlohn-Hagen auf Anregung der Stadt Hagen einen Antrag bei der Aktion Mensch zur Betreuung minderjähriger Flüchtlinge gestellt.

 

Friedhelm Strehl (zweiter von rechts) kümmert sich mit einem neuen Projekt gezielt um Folgen von Fluchterlebnissen bei Kindern und Jugendlichen. Angelika Hamann, Reiner Rohrhirsch und Reinhard Goldbach (links) haben das neue Angebot am Dienstag vorgestellt.Friedhelm Strehl (zweiter von rechts) kümmert sich mit einem neuen Projekt gezielt um Folgen von Fluchterlebnissen bei Kindern und Jugendlichen. Angelika Hamann, Reiner Rohrhirsch und Reinhard Goldbach (links) haben das neue Angebot am Dienstag vorgestellt.

 

Dies betrifft sowohl Flüchtlinge, die mit ihren Familien in Hagen sind, als auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Aktion Menschen fördert hierfür ab sofort für drei Jahre eine Vollzeitstelle, die mit dem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten Friedhelm Strehl nun besetzt ist.

„Wir können uns jetzt um spezifische Unterstützungsbedarfe und Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen kümmern und schließen damit eine Versorgungslücke“, freut sich Angelika Hamann, Geschäftsführerin der Ev. Jugendhilfe Iserlohn-Hagen. Das Projekt richtet sich an alle begleiteten und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Hagen und betrifft alle Hilfefelder der Jugendhilfe und der Regelsysteme, wie Kindergärten, Schulen oder Jugendzentren. „Belastungen, Entwurzelung oder Fluchterfahrung sind dabei Themenfelder, die bei der Arbeit in den Fokus rücken.“

„Wir müssen den Flucht-Begriff erweitern und verschiedene Phasen betrachten“, sagt Friedhelm Strehl. Dazu gehören seiner Ansicht nach der Flucht-Anlass, die Flucht selber, die Erstankunft (in Hagen) sowie die Entscheidungsphase (Fragen zum Verbleib/ zur Rückführung). „Wichtig ist eine differenzierte Betrachtung, denn jedes Element kann zu Belastungsfolgen führen.“ Deshalb ist Friedhelm Strehl dabei, genau hierfür ein Diagnostik-Erhebungs-Konzept - in Kooperation mit den zahlreichen Netzwerkpartner - zu entwickeln, „um die richtige Hilfe abbilden zu können.“ Bereits in der Anfangsphase dieses Projekts gebe es intensive Kontakte zu Hagener Schulen und Kindergärten.

„Wir haben hier einen konkreten Hilfe-Bedarf in Hagen“ stellt Reinhard Goldbach, Jugendamtsleiter der Stadt Hagen, fest. „Traumatische Fluchterlebnisse konnten wir bislang oft nur unzureichend aufgreifen. Es ist wichtig, den Lebensweg der Kinder so positiv wie möglich zu begleiten und zu gestalten. Sonst ist die Gefahr groß, dass es zu Konflikten kommen kann.“

Für Reiner Rohrhirsch, Leiter der Kinderschutzambulanz, ist dies auch als Service-Angebot zu verstehen. „Wie verfolgen hier einen aufsuchenden Ansatz und hospitieren zum Beispiel an Schulen und Kindergärten, um Kinder einzuschätzen und in Kontakt zu Eltern zu kommen.“

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