Historie


Am 12. Juli 1776 wurde Seitens des Konsistoriums mit den Eheleuten Caspar Diederich von der Nahmer als Waisenhauseltern ein Vertrag geschlossen. Am 25. August 1776 werden zwei Mädchen und zwei Jungen aufgenommen.

Das Haus ist auf Spenden angewiesen und muss sich durch die Arbeit der Kinder vorerst selbst finanzieren. Neben siebenstündiger Arbeit stehen fünf Schulstunden auf dem Plan. Der Tag der Kinder beginnt um 06.00 und endet um 21.00 Uhr.

Finanzielle Schwierigkeiten führen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts offenbar dazu, dass das Waisenhaus unter der Verwaltung des städtischen Armendirektoriums steht. Ab dem Jahre 1855 befindet sich das Waisenhaus dann wieder in der alleinigen Verwaltung des Presbyteriums, das von Superintendent Hülsmann geleitet wird.

In diesem Jahr vermacht Frederike Overhoff dem Waisenhaus auch fast ihr gesamtes Barvermögen sowie zahlreiche Grundstücke, die allerdings nicht verkauft werden dürfen sondern von dessen Ertrag an Zinsen und Erträgen gelebt werden soll.

Im Jahr 1860 beschließt das Presbyterium aus Raumnot einen Anbau zu tätigen und das angrenzende Grundstück zu kaufen. Nun bietet das Gebäude Platz für 90 Kinder. In unmittelbarer Nähe baut die Stadt 1880 die Südschule.

Schon vor dem ersten Weltkrieg geht die Kinderzahl zurück. Nach dem Krieg vernichtet die Inflation das Barvermögen aus der Overhoffschen Stiftung. Die Zahl der im Haus untergebrachten Waisenkinder sinkt auf 15 und dementsprechend auch die Pflegegeldeinnahme. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit dem Landeshauptmann ziehen im Herbst 1920 die ersten Fürsorgekinder ein.

Nachdem die Hauseltern Hollmann 1925 in Ruhestand gegangen waren, übergibt das Presbyterium die Leitung an Schwester Christine Erdmann. Sie war selbst im Waisenhaus aufgewachsen und leitet die Einrichtung bis 1927.

Zum Unterhalt des Hauses beherbergt das Waisenhaus von 1929 bis 1950 einen Hort mit etwa 100 Kindern. Zudem richtet das Krankenhaus Bethainien 1940 im Dachgeschoss einen Lehrsaal und Wohnräume für die Lehrschwestern ein.

In den 50'er Jahren erscheint es zum Erhalt der Stiftung notwendig, eine Neuorientierung zu einer Fürsorgeeinrichtung anzustreben. Dementsprechend benennt sich das Haus in "Evangelisches Kinderheim und Waisenhaus" um.

1960 entschließt sich die Evangelische Kirchengemeinde einen Neubau auf einem oberhalb der Wiemer gelegenen 10.000 Quadratmeter großen Grundstück zu planen, dem heutigen Standort der Einrichtung.

1989 erfährt das Kinder- und Jugendheim eine Umwandlung in eine rechtlich unselbständige Stiftung mit dem Titel "Stiftung evangelische Jugendhilfe Einrichtungen der Kirchengemeinde Iserlohn". Das Kuratorium besteht aus Gerhard Steiner, Heinz-Wilhelm Vaupel, Dietrich Hermann, Rainer Vornbäumen, Christian Dopheide und Olaf Bordthäuser. In dieser Zeit der Stiftung werden wegweisende Entscheidungen und Veränderungen getroffen und umgesetzt. Bestehende Angebote werden differenziert, eine neue Struktur von Dezentralisierung entsteht. Volker Rhein wird zum Stiftungsleiter ernannt.

1991 tritt das Kinder- und Jugendhilfegesetz in Kraft, welches eine große Vielfalt an pädagogischen Betreuungsformen bietet. So entsteht die erste Intensivwohngruppe für Mädchen im Märkischen Kreis, eine zweite Tagesgruppe für Jugendliche, zwei sozialpädagogische Lebensgemeinschaften sowie ambulante Betreuungsangebote für Jugendliche. Ein für Nordrhein-Westfalen einzigartiges Projekt konnte 1998 mit der Wohngruppe "Stop and Go!" starten.

In der Zeit von 1996 bis Ende 2002 ist Michael Ziegler Geschäftsführer.

Im Januar 2003 wird Reinhard Meng der neue Geschäftsführer, Peter Eichenauer wird der stellvertretende Geschäftsführer. Die Evangelische Jugendhilfe kooperiert nun eng mit der Diakonie Mark-Ruhr e.V., dessen kaufmännischer Vorstand Volker Holländer nun den kaufmännischen Part der Geschäftsführung übernimmt.

2006 verfügt die Einrichtung etwa über 130 Plätze für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und 110 Mitarbeitern unterschiedlicher Disziplinen. In den folgenden Jahren haben sich die Angebote weiter differenziert, spezialisiert und erweitert. So wurde der Bereich der Mutter-Kind-Gruppe nicht nur von seiner Platzzahl sondern auch um ein weiteres Angebot erhöht. Weiterhin enstand in Kooperation mit der Stadt Iserlohn das Projekt "Jugendhilfe an Schule (JanS)", dass an allen Iserlohner Grund- und Förderschulen Angebote der erzieherischen Förderung anbietet und konnten weiterhin im Jahre 2010 ein Verselbständigungszentrum für junge Erwachsene (VZe) eröffnen.

Zum 01.01.2011 fusionierte die Evangelische Jugendhilfe Iserlohn mit dem Diakonischen Werk Hagen. Der neue Name dieser beiden Träger lautet seither "Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen gemeinnützige GmbH". Mit dem Zusammenschluss ist das Angebotsspektrum noch einmal um ein vielfaches gewachsen und umfasst nun von Mutter-Vater-Kind Einrichtungen über schulische und berufsbildende  Angebote bis hin zur Verselbständigung junger Erwachsene ein großes Portfolio der Kinder-, Jugend- und Berufshilfe.  

So blicken wir nicht nur auf eine lange Tradition sondern stellen uns auch den Anforderungen der sich verändernden Gesellschaft. So entstehen passgenaue und zeitgerechte Angebote für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Eltern.